Heute ging unser letzter Tag in Bangalore zu Ende – ein Tag voller Begegnungen, kleiner Geschichten und leiser Abschiede.
Nach dem Frühstück zog es uns noch einmal in unser Lieblingsviertel, dieses dichte, lebendige Geflecht aus schmalen Gassen zwischen Mysore Road, Victor Albert Road und Sultan Road. Hier scheint die Zeit in einem eigenen Rhythmus zu laufen: Werkstätten öffnen sich direkt zur Straße, Kinder spielen zwischen Mopeds, und aus den offenen Türen der Häuser dringen Stimmen, Lachen und das Klirren von Metall. Die schattigen Wege, gesäumt von eng stehenden Gebäuden, wirken fast wie ein Labyrinth – und doch fühlt man sich sofort willkommen.
Die Menschen begegneten uns auch heute wieder mit einer Herzlichkeit, die uns jedes Mal aufs Neue überrascht. Ein älterer Herr bestand darauf, fotografiert zu werden – und als wir ihm das Bild direkt vor Ort ausdruckten, lud er uns kurzerhand auf einen Chai ein. Ein paar Straßen weiter entstand eine kleine Fotosession mit einer Gruppe junger Leute, die sich mit einer Flasche Pepsi revanchierten. Solche Momente sind es, die bleiben – ungeplant, ehrlich, verbindend.
Besonders schön war auch das Wiedersehen auf Umwegen: Wir trafen den Bruder des Kompressor-Technikers, den wir bereits im letzten Jahr in seiner Werkstatt porträtieren durften. Für einen kurzen Augenblick schloss sich ein Kreis, als würden sich die Geschichten dieser Stadt leise miteinander verweben.
Zurück in unserer Unterkunft holte uns dann die Realität des Aufbruchs ein: Taschen wurden neu gepackt, Dinge aussortiert, Mitbringsel sorgfältig verstaut. Der Online-Check-in war schnell erledigt, das Taxi zum Flughafen bestellt – alles bereit für die Weiterreise.
Den Nachmittag verbrachten wir mit Dilip, der uns zum Abschied in ein hervorragendes südindisches Restaurant einlud. Noch einmal eintauchen in die Aromen dieser Region, noch einmal gemeinsam lachen und erzählen. Danach schlenderten wir durch eine Shopping Mall, ein Kontrastprogramm zu den engen Gassen des Morgens, bevor wir den Tag bei einem letzten Abendessen ausklingen ließen.
Und dann kam er, dieser Moment des Abschieds. Nicht leicht und zugleich voller Dankbarkeit. Hinter uns liegt eine Reise, die uns mit offenen Armen empfangen hat – intensiv, farbenreich, voller Begegnungen und unvergesslicher Augenblicke.
Morgen früh klingelt der Wecker um 5 Uhr. Um 6 Uhr geht es los zum Flughafen. Ein neues Kapitel wartet – aber ein Teil von uns wird hierbleiben, irgendwo zwischen den Gassen, den Stimmen und den Begegnungen von Bangalore.