Indien 2026 - Tag 31:
Stadtspaziergang und die Gaspreiskriese

Am 31. Tag unserer Reise haben wir bewusst auf ein festes Programm verzichtet und stattdessen zwei kleinere Erkundungstouren unternommen. Von unterschiedlichen Ausgangspunkten aus sind wir jeweils zu Fuß durch verschiedene Viertel gezogen – eine entspannte Art, die Stadt noch einmal aus neuen Perspektiven kennenzulernen.

Unser erster Stopp war die Quddus Sahib Idgah Mosque im Stadtteil Benson Town. Die Moschee zählt zu den bedeutenden muslimischen Gebetsstätten im Norden Bangalores und ist besonders während religiöser Feste ein zentraler Versammlungsort. Benson Town selbst ist ein vergleichsweise ruhiges, historisch gewachsenes Viertel mit kolonialem Einfluss, schattigen Straßen und einer gemischten Bevölkerung – ein spürbarer Kontrast zu den hektischeren Teilen der Stadt.

Von dort aus sind wir zu Fuß weitergelaufen bis zum Russell Market, den wir bereits von unserem Besuch im letzten Jahr kannten. Der Markt wurde 1927 eröffnet und ist eines der ältesten Handelszentren der Stadt. Hier findet man eine beeindruckende Vielfalt an Obst, Gemüse, Fleisch und Gewürzen – ein lebendiger Ort, an dem sich der Alltag der Stadt besonders authentisch beobachten lässt.

Ein kurzer Abstecher führte uns anschließend zur St. Mary’s Basilica, einer der ältesten Kirchen Bangalores. Sie wurde im neugotischen Stil erbaut und ist ein wichtiger Wallfahrtsort, insbesondere während des jährlichen St. Mary’s Festes im September, das tausende Gläubige anzieht.

Später rundete ein Spaziergang durch Pottery Town unseren Tag ab. Dieses Viertel ist bekannt für seine traditionellen Töpferfamilien, die hier seit Generationen leben und arbeiten. Noch heute kann man entlang der Straßen beobachten, wie Tonwaren von Hand gefertigt und in einfachen Öfen gebrannt werden – ein selten gewordener Einblick in ein jahrhundertealtes Handwerk mitten in der Großstadt.

Da wir heute vergleichsweise wenige Fotos gemacht haben, möchten wir an dieser Stelle eine Beobachtung festhalten, die unseren Alltag hier zunehmend prägt: die stark gestiegenen Gas- und Treibstoffpreise. Viele Tuk-Tuks fahren mit Flüssiggas (LPG oder CNG), ebenso zahlreiche Autos, und auch in den meisten Küchen wird mit Gas gekocht. Der Preis pro Liter ist in den letzten Wochen deutlich gestiegen – von etwa 55 Rupien (ca. 0,60–0,65 €) auf zeitweise bis zu 120 Rupien (rund 1,30–1,40 €).

Die Auswirkungen sind im Alltag deutlich spürbar. Viele Straßenküchen sind wieder auf Holzfeuer umgestiegen, da Gas für sie schlicht zu teuer geworden ist. Einige Restaurants mussten zeitweise sogar schließen, weil Gas knapp oder nicht bezahlbar war. Gleichzeitig stehen viele Fahrzeuge still – allein in Chennai sollen rund 25 % der Autorikschas derzeit nicht im Einsatz sein. Für uns bedeutet das längere Wartezeiten und häufig auch höhere Preise, da Fahrer Aufschläge verlangen. Was für uns als Tourist zwar lästig aber verschmerzbar ist, ist für viele hier oft existenzbedrohend.

Elektrofahrzeuge stellen derzeit noch keine echte Alternative dar: Zum einen sind die Anschaffungskosten für viele Menschen zu hoch, zum anderen ist die Strominfrastruktur vielerorts nicht ausreichend ausgebaut, um einen flächendeckenden Umstieg zu ermöglichen. Diese Entwicklungen zeigen sehr deutlich, wie stark globale Energiepreise den Alltag der Menschen hier beeinflussen.

Indien 2026 - Tag 31:
Stadtspaziergang und die Gaspreiskriese