Indien 2026 - Tag 33:
Stets etwas zu entdecken...

Heute Vormittag wollten wir einige Ecken von Bangalore erkunden, die wir bislang noch nicht kannten. Dafür sind wir mit einer Autorikscha zum Hanumantha Nagara Park gefahren. Der Park liegt im südlichen Teil der Stadt im Viertel Hanumanthnagar, nahe Basavanagudi und Banashankari, und ist vor allem ein Ort für die Anwohner. Er gilt als ruhiger, eher unscheinbarer Park und gehört nicht zu den klassischen touristischen Zielen – genau das verleiht ihm jedoch seinen besonderen Charme.

Im Park selbst befindet sich ein kleiner neuer Tempel, während sich rund um die Anlage auch ältere, teils historische Tempelstrukturen finden. In der Nähe steht außerdem der sogenannte „Stone Umbrella“. Dabei handelt es sich um eine ungewöhnliche, aus massivem Stein gefertigte Struktur in Form eines Schirms: eine steinerne Säule mit einer runden, schirmartigen Platte als Abschluss. Die Anlage stammt vermutlich aus der Zeit des Vijayanagara Empire. Ihre ursprüngliche Funktion ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es gibt verschiedene Deutungen: Sie könnte ein religiöses Symbol darstellen, etwa ein Chakra (Diskus) von Vishnu, als Aussichtspunkt gedient haben oder Teil ritueller Handlungen gewesen sein. Gerade diese Ungewissheit macht den Ort zu einem kleinen historischen Rätsel innerhalb der Stadt.

Anschließend sind wir zu Fuß weiter zum Shri Ramanjaneya Gudda Temple gegangen. Dieser Tempel liegt auf einem kleinen Hügel namens Ramanjaneya Gudda – „Hügel des Hanuman“ – ebenfalls im Stadtteil Hanumanthnagar. Er zählt zu den ruhigeren und weniger bekannten Tempeln im Süden Bangalores. Besonders auffällig ist die etwa neun Meter hohe Statue auf dem Hügel, die Lord Rama und Hanuman in einer Umarmung zeigt. Diese Darstellung symbolisiert die enge Verbindung und Loyalität zwischen den beiden Figuren aus dem Ramayana.

Von dort aus führte unser Weg weiter zum Shri Kumaraswamy Temple. Der Tempel ist Lord Kumaraswamy (auch Murugan oder Subrahmanya genannt) gewidmet, dem Sohn von Shiva und Parvati, der in Südindien eine bedeutende Rolle spielt. Die Anlage befindet sich auf einem Hügel namens Mount Joy und ist über etwa 100 bis 150 Stufen erreichbar. Von oben bietet sich ein weiter Blick über die umliegenden Stadtteile. Der Ort selbst hat eine längere religiöse Tradition: Ursprünglich soll hier vor rund 400 Jahren ein Shiva-Lingam errichtet worden sein, während sich die heutige Tempelanlage vor allem im 20. Jahrhundert entwickelte.

Nach einem kurzen Rundgang durch die umliegenden Viertel und einem Chai war der Vormittag auch schon wieder vorbei, und wir sind zurück ins Hotel gefahren.

Wie so oft zog es uns am Nachmittag noch einmal hinaus – diesmal zu Fuß durch die Umgebung rund um Majestic. „Umgebung“ ist dabei fast schon eine Untertreibung: Am Ende standen wieder gut zehn Kilometer auf der Uhr. Der Stadtteil rund um das Kempegowda Bus Terminal gilt als einer der verkehrsreichsten Knotenpunkte Bangalores, und genau das spürt man bei jedem Schritt. Lebhafte Geschäftsstraßen mit dichtem Verkehr, kleinen Läden und Straßenständen gehen beinahe nahtlos in ruhigere Nebenstraßen über, in denen sich das Tempo schlagartig verlangsamt.

Auffällig war die enorme Dichte an Druckereien in diesem Viertel. Tatsächlich ist Bangalore ein wichtiges Zentrum für die Druck- und Papierverarbeitung in Südindien, und besonders in älteren Geschäftsvierteln haben sich viele kleine Betriebe angesiedelt. In nahezu jedem Gebäude, an dem wir vorbeikamen, standen Druckmaschinen; davor oder dahinter stapelten sich Papierbögen. Arbeiter saßen auf dem Boden oder an einfachen Tischen und klebten Buchrücken, banden Notizblöcke oder falteten Karten – oft in reiner Handarbeit, in einem Rhythmus, der von Routine und Erfahrung geprägt war.

Und dann wieder so ein typischer Zufallsfund, wie ihn nur ein Spaziergang zu Fuß ermöglicht: An einer unscheinbaren Straßenecke tauchte plötzlich ein größeres, etwas heruntergekommenes Gebäude auf. Davor saß ein junger Mann, offenbar als eine Art Aufpasser. Unsere Vermutung bestätigte sich schnell – das Gebäude war früher ein Kino. Heute dient es als Parkplatz, doch im Inneren ist die alte Leinwand noch immer vorhanden, ein stiller Zeuge vergangener Tage.

Das Kino trug den Namen „Super Talkies“. Solche sogenannten „Single-Screen“-Kinos waren in indischen Städten lange Zeit weit verbreitet, bevor sie zunehmend von modernen Multiplex-Kinos verdrängt wurden. Viele dieser Häuser mussten in den letzten zwei Jahrzehnten schließen, häufig aufgrund steigender Grundstückspreise und veränderter Sehgewohnheiten. „Super Talkies“ soll Berichten zufolge noch bis vor etwa acht oder neun Jahren in Betrieb gewesen sein. In seinen letzten Jahren zeigte es vor allem ältere Filme aus Karnataka (in Kannada-Sprache) sowie aus dem benachbarten Tamil Nadu – ein Hinweis darauf, wie sich das Publikum und das Programm im Laufe der Zeit verändert hatten.

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